Autorevue - TriumphSite

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Das Untersteuern läßt sich durch stärkeren Einschlag oder Gaswegnehmen problemlos konrrigieren, erst bei sehr hohem Tempo werden Anforderungen an den Fahrer gestellt
Triumph Stag – Limouspider
Zetiloses Styling, Achtzylinder-Motor, abnehmbares Dach. Der Triumph Stag bringt die gute, alte englische Sportwagenamnier. Ohne Angeberei.



Einer ganz kleinen Gruppe von Menschen, die ihren Wunschtraum vom Sportwagen immer wieder verschoben haben, bis sie dann feststellten, daß Schalensitze schlecht zu einer beginnenden Spondylarthrose passen, konnte immer schon recht ordentlich geholfen werden – mit Wagen der 300’000-Schilling-Klasse.
Wem aber ein Alfa Montreal oder ein Mercedes 350 SL weitaus zu teuer ist, kann nur in einer sehr kleinen Gruppe wählen – wobei vielleicht das 504-Coupé von Peugeot zu bürgerlich und der Datsun 240 Z zu hart sein mag.
In diese Lücke zielt der Triumph Stag: Ein Wagen, der seinen Besitzer jünger macht, ihm aber all jenen Komfort bietet, an den er sich mittlerweile in seiner Limousinen-Laufbahn gewöhnt hat. Der Preis von 155’000 Schilling macht die Lücke allerdings zu einem Lückerl, das den Stag ins Raritätenkabinett des österreichischen Autolebens weist: Durchschnittlich werden vier Stück pro Monat abgesetzt.
Dies soll keine Kritik an der Preisgestaltung sein, denn im Vergleich mit ähnlich teuren sportlichen Wagen schneidet der Stag gut ab – es ist nur ein Beweis, daß sich der Trend zum „Sportwagen für Arrivierte” in kleineren Grenzen hält, als man vielleicht annehmen würde.
Der Stag hat drei Akzente, die es (gemeinsam) bei keinem anderen Sportwagen gibt: Abnehmbares Dach, Achtzylinder-Motor und Servolenkung. Damit fällt er sogar unter den Exoten aus dem Rahmen.
Die Karosserie wurde von Michelotti schon Mitte der sechziger Jahre entworfen, somit hat die Form des Stag die jüngste Triumph-Limousinenreihe beeinflußt und nicht umgekehrt.
Die lange Wartezeit auf den tatsächlichen Produktionsbeginn hat immerhin gezeigt, daß das Styling ziemlich zeitlos ist, auf gute alte englische Sportwagen-Manier.
Die Karosse ist bullig, ohne Glanzlichter und nicht gerade originell: Kein Auto für Angeber, das Blechkleid ist nicht gleichbedeutend mit einem Preisschild.
Zum Blickfang wird der Stag höchstens nach Abnahme des Dachs, der Käfig mit dem ordentlich gepolsterten Oberrollbügel hat unbedingt sportliches Image.
Neben der Sicherheitsfunktion erhöht der breite Bügel auch die Verwin-dungssteifheit des Wagens. Die Demontage des Stoffdachs erfordert kurzes Üben und ist dann sehr einfach, auch die Unterbringung (unter einer Klappe hinter dem Fahrgastraum) geht ohne Wurstlerei vor sich. Das Material des Stoffdachs ist trotz des geringen Stau-Volumens robust, hier gäbe es also keine Gefahr für kalte Tage. Das Finish hingegen (zumindest beim Dach unseres Testwagens) war aber schlampig, so daß es immer Zugluft gab.

Mit wenigen Handgriffen läßt sich das Stoffdach unter einer Kappe hinter dem Fahrgastraum verstauen

Wer also schon 155’000 Schilling hinlegt, sollte die weiteren 10’000 auch nicht scheuen: Dafür bekommt man zusätzlich ein Hardtop, das in der Montage ebenfalls recht simpel ist, im Wagen zwar nicht untergebracht werden kann, aber als Dauerlösung für die kalte Jahreszeit sicherlich vernünftig ist.
Innen geht es höchst kultiviert zu – luxuriös und dennoch geschmackvoll.
Das Lenkrad (in der Höhe verstellbar) ist für einen Sportwagen ungewöhnlich groß, paßt aber stilistisch zu diesem Cockpit, das einer Luxuslimousine entspricht.
Das Armaturenbrett ist mit sieben Instrumenten gepflastert (Tacho km-Zähler/Tages-km-Zähler, Drehzahlmesser, Zeituhr, Benzinuhr, Voltmeter, Wasserthermometer und Sammelinstrument für Kontrollleuchten). In der vorne breit ausladenden Konsole ist neben Zigarettenanzünder, Choke, Heizungs- und Lüftungsbedienung auch Platz für ein Radio. Neben dem Schalthebel ein besonders niedliches Spielzeug: Die Schalter für die elektrischen Fensterheber.

Ebenfalls zum Spielen verleitet der in den Schaltknauf eingelassene Schalter für das Overdrive, das bei einem Triumph natürlich nicht fehlen darf.

Die Vordersitze sind angenehm geformt und mit ziemlich gutem Plastik, das aber doch nur Plastik bleibt, überzogen.
Hinten ist Platz für zwei größere Kinder oder drei Teddybären, für Erwachsene gibt es nur eine Kurzstrecken-Notlösung.
Der Dimensionierung des Fonds entspricht auch der Kofferraum, neben einem mittelgroßen Koffer haben nur noch kleinere Einheiten Platz.

Die erwähnte schlechte Abdichtung des Stoffdaches ließe den Verdacht auf schlechtes allgemeines Finish zu, zu Unrecht: Von den Teppichen bis zum kleinsten Schalter ist alles äußerst präzise und haltbar ausgeführt.

Die Triumph-Familienähnlichkeit wird am stärksten in der Heckpartie deutlich
Der Motor gibt dem Stag seine Unverwechselbarkeit, hebt ihn aus der Gruppe seiner Konkurrenten heraus:
Keine nervöse heiße Maschine, sondern ein dicker, gutmütiger Achtzylinder. Zwei  Triumph-Vierzylinder
 (wie sie im Saab 99 verwendet werden) wurden in 90 Grad zu einem V8 zusammengestellt, das ergibt drei Liter Hubraum.
Man hätte natürlich wesentlich mehr als 147 PS herausholen können, doch sollte wohl diese bürgerliche Auslegung des Motors den Charakter des ganzen Wagens bestimmen: Kultiviert, laufruhig, leise, unerhört elastisch.
Und für manche Ohren ist das dunkle Grollen eines Achtzylinders wesentlich attraktiver als das heißere Brüllen eines hochgekitzelten Fahrwerks.
Unter diesen Umständen sind die Fahrleistungen nur durchschnittlich und werden von billigeren Autos übertroffen: 183 km/h Spitze und 31,7 Sekunden für den stehenden Kilometer. Dafür kann man aber im vierten Gang im Schrittempo fahren (ohne „Schüttelfrost”), was im übrigen daran erinnert, daß auch eine automatische Schaltung angeboten wird (9700 Schilling).
Kraft, wo immer man hintritt, Drehfreudigkeit (bei 5700 U/min beginnt allerdings schon die orange Zone), Kultiviertheit – das sind die Stärken dieser Maschine.
Das Overdrive kann zum dritten und vierten Gang zugeschaltet werden. Die Höchstgeschwindigkeit erreicht man im vierten Gang bei 6000 U/min, durch Zuschalten des Overdrives (0,84:1 beim vierten Gang) sinkt die Drehzahl auf 4900 U/min.
Schon die Auslegung der Maschine läßt Sparsamkeit im Verbrauch vermuten, tatsächlich kann man auf Economy-Werte von 10 Liter pro 100 km kommen und überschreitet auch bei Ausnützen der Möglichkeiten nie die 18-Liter-Grenze. Als guten Wald- und Wiesen-Mittelwert könnte man 13 Liter annehmen.
Die Schaltung ist angenehm, leichtgängig und präzise, also ziemlich untypisch für einen englischen Sportwagen.
Federung und Dämpfung entsprechen einem gesunden Mittelding zwischen Komfort und Sportlichkeit, man hat guten Kontakt zur Straße, ohne deswegen jedes Steinchen und jede kleine Welle zu spüren.
Dieser Kontakt bezieht sich allerdings auf jene „sensitive Zone” des Autofahrers, die zum Sitzen da ist – den Händen wird vom Lenkrad nur ein recht abstrakter Kontakt vermittelt. Selbst im Kreis unserer Redaktion konnte keine Einigkeit erzielt werden, ob die Servolenkung zu den positiven oder negativen Seiten des Stag gezählt werden soll. 2 4/5 Drehungen von Anschlag zu Anschlag sind für einen Sportwagen eine sehr direkte Übersetzung, die Lenkung gehört also zu den Luxus-Attributen dieser Auto-Mischung aus Komfort und Sportlichkeit.

Attraktive Ausstattung des Cockpits

Es hängt völlig von der Mentalität des Fahrers ab, ob er dies nun schätzt oder nicht. Tatsache ist, daß man für schnelle Fahrweise in Kurven eine lange Gewöhnungszeit braucht, sich dann ziemlich gut zurecht findet, aber niemals genügend Kontakt hat, um sich mit guter Sicherheit an den Grenzbereich zu tasten.

Anfänglich glaubt man, es mit einer unexakten Lenkung zu tun zu haben – sie ist aber nicht unexakt, nur ungewohnt und „unsportlich” (wobei der Begriff „unsportlich” nicht der ideale Ausdruck ist, aber Sie wissen, was wir meinen).
Fahrwerk

Auch das Fahrwerk hat nichts von der robusten Primitivität der meisten englischen Sportwagen, es ist ebenfalls nur aufwendig, aber nicht „sportlich”. Weitgehende Neutralität, dann Untersteuern (durch Gaswegnehmen einfach zu korrigieren), dann aber – in extremen Bereichen – recht überraschendes Ausbrechen des Hecks.

Dieses Spiel von Unter- und Übersteuern wird bei nasser Fahrbahn zu einem eher unerquicklichen Spiel: Bei Regen wird gebeten, in den Kurven keine sportlichen Ambitionen zu entwickeln.

Der Triumph Stag ist somit eine recht originelle Mischung von Komfort- und Sportwagen, wobei aber nur Federung und Dämpfung tatsächlich in der Mitte liegen, ansonsten gibt es klare Akzente: Karosserie, die Sitzplätze im Fond, der Kofferraum, das abnehmbare Dach und der stolze Überrollbügel gehören zum Sportwagen, Motor, Lenkung, Schaltung, Ausstattung und Fahrverhalten gehören zum Komfortschlitten.

Wenn man sich’s so überlegt: Eigentlich ein recht brutales Konzept, um einen „komfortablen Sportwagen” zu bauen. Das Resultat ist dennoch reizvoll. Wenn der Stag in unserem Land erst einmal ein bißchen besser bekannt ist, wird er gewiß mehr Liebhaber finden, als er es bis heute getan hat.

Technische Daten

MOTOR

Achtzylinder in V, wassergekühlt, Bohrung x Hub 86 x 64,5, Hubraum 2997 cm, Verdichtung 8,8 : 1, 147 PS (DIN) bei 3500 U/min, hängende Ventile, 2 obenliegende Nockenwellen (Kette), 5fach gelagerte Kurbelwelle, Ölfilter im Hauptstrom, 2 Horizontalvergaser Stromberg, Batterie 12 V 56 AH.

KRAFTÜBERTRAGUNG

Hinterradantrieb, Federscheibenkupplung, 4-Gnag-Getriebe, Knüppelschaltung, Hypoid-Achsantrieb, Untersetzung 3,70:1, Übersetzung im Getriebe: I. 2,995:1, II. 2,10:1, III. 1,386:1, IV. 1:1, R. 3,369:1. Auf Wunsch mit Getriebeautomatik.

KAROSSERIE UND FAHRWERK

Selbsttragene Karosserie, vorn senkrechte Führungsrohre, untere Querlenker mit Schrägstreben und Schraubenfedern, hinten Einzelradaufhängung mit Schraubefedern und Dreieckslenkern, Zweikreisbremse, vorn Scheiben mit Servo, hinten Trommeln, mechanische Handbremse auf die Hinterräder, Zahnstangenlenkung mit Servo, Reifen 185 HR 14.

ABMESSUNGEN UND GEWICHTE

Leergewicht 1275 kg, Radstand 254 cm, Spurweite 133/134 cm, Länge 442 cm, Breite 161 cm, Höhe 126 cm, Wendekreisdurchmesser 10,4 m. Öl: 5,1l, Wasser: 10,5 l, Benzin: 63,5 l.

FAHRLEISTUNGEN

Höchstgeschwindigk.: 190 km/h
Beschl. 0-100 km/h: 9,3 sec
Leistungsgew.: 8,8 kg/DIN-PS
Verbr. (Super): 10-18 l/100 km

PREIS
Stag Softtop: öS 155.500.-
Stag mit Softtop und Hardtop: öS 165.000.-

Marke
Triumph

Modell
Stag

Modellreihe
Stag

Variante
Coupé


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